Vielen Dank, dass Sie sich für dieses Interview bereit erklärten! Bitte stellen Sie sich kurz vor.
Servus, ich bin der Michael, 37 Jahre alt und lebe aktuell im wunderschönen Burghausen. Nach der Fachoberschule entschied ich mich 2007 für eine Ausbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme. Knappe zehn Jahre habe ich insgesamt im Bereich der industriellen Messtechnik gearbeitet, bevor ich aus persönlichem Interesse einen Tapetenwechsel gewagt habe. Es ging für einige Jahre zuerst in die Medien- und anschließend in die Sicherheitstechnik. Dadurch bin ich auch bei meinem aktuellen Arbeitgeber, der Firma Kreutzpointner, gelandet.
Warum haben Sie sich für die Technikerschule Altötting entschieden?
Bereits 2011, direkt nach meiner Ausbildung, habe ich mir vorgenommen, definitiv den Techniker dranzuhängen. Tja, die Zeit vergeht nur leider viel zu schnell und es gab auch immer wieder neue Ausreden. So habe ich letztendlich erst 2021 mit „Ü30“ den Entschluss gefasst. Da mich aber weder Teilzeitmodell noch Fernstudium überzeugten, war die Technikerschule Altötting für mich die ideale Wahl. Hier konnte ich hinsichtlich Fachrichtung direkt an meinen Ausbildungsberuf und die Berufserfahrung anknüpfen. Außerdem waren das positive Feedback ehemaliger Schüler und der kurze Pendelweg von Burghausen natürlich auch entscheidende Kriterien.
Schildern Sie im Rückblick Ihre Erfahrungen aus der zweijährigen Weiterbildung zum Techniker an der Altöttinger Technikerschule.
Anfangs hatte ich durchaus Bedenken, ob ich mit 32 überhaupt nochmal den Anschluss an eine komplexe schulische Fortbildung finden kann. Dieser Zweifel zerschlug sich aber recht schnell, denn es lief, ehrlich gesagt, deutlich besser, als im Vorfeld vermutet. Die elektrotechnischen Themen waren zwar oft recht anspruchsvoll, aber auch immer sehr interessant und motivierend. Auch die allgemeinbildenden Fächer fand ich hier wichtig und gut platziert. Dass man am Schuljahresende sogar das angesehene Fremdsprachenzertifikat und den Ausbilderschein (jeweils freiwillig) in der Tasche hat, ist dabei auch nochmal sehr positiv zu erwähnen.
Im zweiten Jahr werden die Inhalte dann deutlich fachbezogener. Ich habe dabei den Pfad „Betriebs- und Automatisierungstechnik“ samt den Wahlfächern CAE und Netzwerktechnik ausgewählt. Insgesamt sind die Lehrinhalte dabei auch passend auf die kommenden beruflichen Aufgabenbereiche abgestimmt. Die Theorie wird hier durch praktische Übungen und interessante Exkursionen ergänzt. Außerdem wird man gegen Schuljahresende wirklich sehr gut und umfangreich auf die anstehenden Abschlussprüfungen vorbereitet.
Als positiv empfand ich auch das komplett digitale Arbeiten am Tablet über die gesamte Fortbildungsdauer. So bleibt (bei entsprechender Pflege) am Ende ein strukturiertes digitales Notizbuch, welches man im Berufsalltag schnell zur Hand hat. Wer dies nicht mochte, konnte aber auch klassisch auf Papier setzen. Verglichen mit meiner regulären Schulzeit ist das Lernen heutzutage jedenfalls deutlich komfortabler, da das Internet unglaublich viel nützliches Infomaterial oder Hilfsmittel bereitstellt.
Auch unsere Klassengemeinschaft und das fachlich sowie persönlich sehr kompetente Kollegium bleiben mir definitiv in guter Erinnerung. Bei Problemen konnte man dabei stets auf gegenseitige Unterstützung zählen. Das Klima war ebenfalls immer angenehm und für viele haben sich auch beständige Freundschaften gebildet.
Natürlich hat das Ganze aber auch einen Preis. Das Niveau ist in einzelnen Fächern von Anfang an recht hoch und auch kaum mit Berufsschulstoff zu vergleichen. Je nach Vorkenntnissen muss man hier schon wirklich die Zähne zusammenbeißen. Mir persönlich hat dabei das technische Fachabi sicherlich geholfen. Außerdem habe ich allein im ersten Schuljahr knappe 70 Leistungsnachweise gezählt. Das bedeutet unterm Strich, dass man definitiv gewillt sein muss, einen Großteil seiner Freizeit in die Weiterbildung zu investieren. Dabei macht freilich auch nicht jedes Fach immer sonderlich Spaß.
Sie sind jetzt erfolgreich als Techniker tätig. Welche Inhalte waren besonders praxisrelevant? Wie sieht Ihr Projektalltag aus und wie helfen Ihnen die vermittelten Inhalte, Ihre Herausforderungen im Arbeitsalltag zu lösen?
Nach meiner Fortbildung bekam ich erfreulicherweise direkt die Möglichkeit, firmenintern in die Ingenieurtechnik zu wechseln. Seitdem arbeite ich bei Kreutzpointner als Hardwarefachplaner im Bereich der Mess-, Steuer- und Regelungstechnik.
Essenziell wichtig ist hierbei die Elektroplanungssoftware „EPLAN Electric P8“, dessen Umgang ich als mein täglich Brot bezeichnen würde. Hier hat mir das Fach CAE unter Herrn Reindl wirklich einen merkbaren Startvorteil verschafft. Dass man nach Ablegen der freiwilligen Zusatzprüfung bereits als „EPLAN CERTIFIED TECHNICIAN“ in den neuen Beruf starten kann, ist klasse und erspart viel Einarbeitungszeit.
Grundsätzlich sind in meinem Beruf aber tatsächlich viele Inhalte aus den beiden Schuljahren von Relevanz. So sollte man beispielsweise mit der Schaltschrankklimatisierung, der Leitungsdimensionierung, dem R&I-Fließschema, der Antriebstechnik oder natürlich auch mit Fachenglisch vertraut sein. Es gibt freilich meist Softwarelösungen, die das händische Rechnen obsolet machen; trotzdem schlage ich regelmäßig in den Schulunterlagen nach.
Dass man in der begrenzten Unterrichtszeit nicht auf alle individuell anstehenden Herausforderungen vorbereitet werden kann, ist verständlich. Bei mir sind es z.B. Themen wie die funktionale Sicherheit oder der Explosionsschutz, welche hinsichtlich Industrieanlagen eine hohe Relevanz haben.
Hat sich Ihre Weiterbildung an der Technikerschule Altötting rückblickend für Sie gelohnt?
Ja, die Weiterbildung hat sich für mich sogar auf mehreren Ebenen gelohnt. So konnte ich durch die höhere Qualifikation und die zuvor angesammelte Berufserfahrung direkt in eine anspruchsvolle und interessante Position wechseln, die mir ansonsten verwehrt geblieben wäre. Mir macht der Job wirklich große Freude und ich bin schon auch etwas stolz, dass ich diesen beruflichen Meilenstein erreicht habe.
Außerdem war die Fortbildung unter dem Strich eine durchweg positive Erfahrung und natürlich etwas Außergewöhnliches für mich. Es war eine kleine Zeitreise zurück in die längst vergangene Schulzeit und hat mir gezeigt, dass es nie zu spät ist, über seinen Schatten zu springen und neue Wege einzuschlagen, selbst wenn diese im Vorfeld als zu steinig erscheinen.
Deshalb an dieser Stelle ein großes DANKE an das gesamte Team der Technikerschule Altötting!
Haben Sie vielen Dank für dieses Interview und die Einblicke, die Sie uns allen dabei gewährt haben. Ihnen wünschen wir weiterhin beruflichen Erfolg und persönlich alles Gute!